Die ersten Tätigkeiten als neuer Ausbilder

Erste Tätigkeiten Aufgaben Ausbilder

Die AEVO Prüfung ist geschafft und du hast den Ausbilderschein. Doch wie geht es weiter? Über die ersten Tage als Ausbilder schreibe ich in diesem Artikel.

Glückwunsch – du hast bereits deinen Ausbilderschein in der Tasche und bist bereit für die neue Aufgabe.

Nein?

Dann lese meine Artikel zur AEVO Prüfung und Tipps für die schriftliche AEVO Prüfung.

Dort findest du wichtige Informationen rund um die AEVO Prüfung.

In diesem Artikel möchten ich für dich unter die Lupe nehmen, was dich in der Anfangsphase bei deiner Tätigkeit als Ausbilder erwartet und wie du die ersten Tage und Wochen erfolgreich meisterst.

Wer wird dein Azubi?

Neue Auszubildende werden in der Regel zum 01.02. oder 01.08. eines Jahres eingestellt.

Je nachdem wie die Personalabteilung in deinem Unternehmen gestaltet ist, wirst du unter Umständen schon in der Bewerbungsphase unterstützend eingesetzt, um ein kleines Mitspracherecht bei der Vergabe der Ausbildungsplätze zu haben.

Das kann sinnvoll sein, denn schließlich sollte die Chemie zwischen dir und deinem Azubi auch ein Stück weit passen.

Unter Umständen wird dir aber auch schlichtweg ein Auszubildender zugeteilt, den du das erste Mal an seinem ersten Arbeitstag zu Gesicht bekommst – und dann geht es auch schon los!

Ein authentischer erster Eindruck

Versuche dich bereits vom Start weg so zu positionieren, wie du wirklich bist.

Spiele nicht den Kumpel-Typ wenn du einen perfektionistischen Charakter hast und spiele nicht den peniblen Bürohengst, wenn du in der Realität eher ein lockerer Zeitgenosse bist.

Versuche dich nicht so zu geben, wie der Azubi dich gerne hätte.

Ein paar Tage lang könntest du vielleicht deine charakterliche Maskerade aufrechterhalten, aber spätestens im Berufsalltag – gerade in stressigen Zeiten – fliegt die Show auf und dein Azubi ist eventuell verwirrt und verliert sein Vertrauen in dich.

Niemand verlangt von dir, dass du in der Mittagspause zusammen mit den Auszubildenden essen gehst oder dass ihr nach Feierabend gemeinsam eine Kneipe ansteuert.

Das Verhältnis zwischen dir und deinem Azubi sollte auf einer seriösen Basis stehen.

Dafür ist es erforderlich, dass du von Anfang an ehrlich bist und ihn nicht bezüglich deiner Normen und Werte im Unklaren lässt.

Organisation ist das halbe (Ausbilder-)Leben

Als Ausbilder bist du der erste Ansprechpartner für den Azubi bei seinen Fragen.

Du musst jedoch darauf achten, dass deine eigene Produktivität nicht dadurch in Mitleidenschaft gezogen wird.

Grundsätzlich hast du zwei Möglichkeiten, um deinen Azubi anzuleiten:

  • direkte Führung
  • indirekte Führung

Unter der direkten Führung versteht man den Dialog zwischen Ausbilder und Azubi.

Diese Form der Kommunikation ist sehr zeitintensiv und sollte daher nur in Maßen eingesetzt werden.

Daher empfehle ich dir, dass du von Beginn an ein System etablierst, das den direkten Austausch zwischen dir und dem Azubi auf ein Minimum reduziert.

Die Rede ist von sogenannten „Führungssubstituten“.

Die Verwendung von Führungssubstituten zur Anweisung deines Azubis wird auch als indirekte Führung bezeichnet und lässt sich in verschiedenen Formen umsetzen.

Beispielweise ist es denkbar, dass du dem Azubi eine Übersicht mit typischen Fragen zukommen lässt, sodass er in einigen Situationen selbst eine Lösung findet, ohne dich zuvor um Rat zu bitten.

Auch eine Liste mit passenden Ansprechpartnern für die jeweiligen Fachgebiete ist hilfreich, damit der Azubi bei speziellen Fragen (die du unter Umständen auch nicht beantworten kannst) nicht den unnötigen Umweg über dich nimmt.

Gelungene Kommunikation

Du sollst deinem Azubi im Rahmen seiner Ausbildungszeit eine selbstständige Arbeitsweise vermitteln.

Die Etablierung der eben genannten Führungssubstitute stellt eine gute Möglichkeit dar, um die Handlungen des Azubis auf eine eigenverantwortliche Basis zu stellen.

Nichtsdestotrotz solltest du den regelmäßigen, persönlichen Austausch mit deinem Azubi fördern, damit du immer auf dem neuesten Stand bleibst.

Hinweis: Hiermit sind Gespräche gemeint, die von dir (also dem Ausbilder) angeregt werden. Zeige deinem Azubi, dass du für ihn da bist - unabhängig davon ob er dich akut um Hilfe gebeten hat, oder nicht. Solche Treffen werden in der Anfangszeit häufiger nötig sein als im zweiten oder dritten Lehrjahr. In den ersten Monaten empfehlen wir dir, dass du die Meetings wöchentlich ansetzt. Folgende Gesprächsthemen sind – gerade in der Anfangszeit – von wichtiger Bedeutung:

  • innerbetriebliche Bestandsaufnahme
  • Überprüfung des theoretischen Wissensstandes
  • Kontrolle des Berichtheftes

Im Rahmen einer innerbetrieblichen Bestandsaufnahme wird ermittelt, ob der Azubi mit seinen aktuellen Aufgaben über- oder unterfordert ist und wo noch Nachholbedarf besteht.

Auch etwaige Diskrepanzen mit Kollegen und/oder Kunden können in einem solchen Treffen auf vertraulicher Ebene diskutiert werden.

Die Überprüfung der schulischen Leistungen sollte regelmäßig erfolgen (ca. 1x im Monat), um den theoretischen Wissenstand deines Azubis zu ermitteln.

Viele Ausbilder lassen sich dafür lediglich die Klausuren des Azubis vorlegen – eine Maßnahme ohne pädagogischen Mehrwert.

Biete deinem Azubi lieber an, die Schwachpunkte der letzten Klausuren zunächst alleine und im Zweifel gemeinsam mit dir nachzuarbeiten, um etwaige Wissenslücken rechtzeitig zu schließen.

Das Berichtsheft ist ein Pflichtbestandteil der dualen Ausbildung.

Als Ausbilder bist du dazu angehalten, die Führung des Berichtsheftes zu kontrollieren.

Lasse dich also in regelmäßigen Abständen über den aktuellen Fortschritt aufklären und hake unbedingt nach, wenn der Azubi bereits zurück hängt.

Unsere Checkliste für die ersten Wochen

In den einzelnen Abschnitten dieses Artikels hast du einen guten ersten Eindruck darüber bekommen, welche Aufgaben in den ersten Wochen als Ausbilder auf dich zukommen werden.

Abschließend möchte ich dir nochmals die wichtigsten Informationen in Form einer Checkliste aufbereiten, sodass du die wichtigsten „To-Do’s“ nochmals auf einen Blick vorfindest.

      • Sei authentisch! Verstelle dich nicht und sorge dafür, dass dein Azubi einen ersten Eindruck von dir erhält, der auch wirklich zu deinen Charakterzügen passt.
      • Direkte vs. Indirekte Führung – du bist der zentrale Ansprechpartner für deinen Azubi. Viele Fragen erfordern jedoch nicht direkt ein Gespräch, sondern lassen sich über Führungssubstitute klären. Die „Hilfe zur Selbsthilfe“ ist hier also das entscheidende Motto.
      • Suche regelmäßig selbstständig den Dialog mit deinem Azubi und warte nicht, bis er zu dir kommt. Das erleichtert dir die Zeitplanung und sorgt für weniger Unklarheiten im „Tagesgeschäft“.
      • Fördern und Fordern! Sowohl der praktische als auch der theoretische Leistungsstand des Azubis sollte von dir stets genau überprüft werden. Mit konstruktiver Kritik kannst du deinen Auszubildenden fördern und zu noch besseren Leistungen motivieren. Achte auf darauf, dass ein regelmäßiges Lob nicht vergessen wird. Ansonsten könnte eure gute Beziehung schnell wieder abkühlen.

Hast du deinen ersten Tag als Ausbilder bereits hinter dir?

Lass uns an deinen Erfahrungen in den Kommentaren teilhaben!

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