AEVO Praktische Prüfung: Teile, Themen & Tipps

AEVO Praktische Prüfung

Die AEVO-Prüfung ist der finale Part der Ausbildung der Ausbilder (AdA). Mit einer erfolgreich abgeschlossenen AdA darf man zukünftig im eigenen Berufsfeld andere ausbilden. Die Prüfung besteht aus einem schriftlichen und einem praktischen Teil. In diesem Ratgeber dreht sich alles um die praktische Prüfung.

Der praktische Teil der Ausbildereignungsprüfung ist ein Pflichtteil, der erfolgreich absolviert werden muss, wenn man Ausbilder*in werden möchte. Die praktische Prüfung besteht selbst aus zwei Teilen und dauert insgesamt 30 Minuten. Häufig wird sie einfach als die mündliche AEVO-Prüfung bezeichnet.

Ausbildereignungsprüfung Praktischer Teil: bei der IHK anmelden

Für Ihre Ausbildung zum Ausbilder haben Sie zwei unterschiedliche Möglichkeiten, um sich auf die Prüfung vorzubereiten. Entweder Sie absolvieren einen Ausbilderschein-Kurs an einer Industrie- und Handelskammer bzw. Handwerkskammer oder Sie buchen einen Ausbilderkurs bei einer privaten Institution – beispielsweise bei der AEVO Akademie. Im Seminar vor Ort oder im Zuge eines betreuten Selbststudiums erlernen Sie dann alle für Ausbilder*innen relevanten Inhalte.

Für die Abschlussprüfung – schriftlich und praktisch bzw. mündlich – ist es nicht entscheidend, welche Art der Vorbereitung Sie gewählt haben. Wichtig ist, dass Sie sich für Ihre Prüfung bei der für Sie zuständigen Kammer anmelden und dort dann beide Teile erfolgreich ablegen. Mit dem IHK-Finder suchen und finden Sie die für Ihre Anliegen verantwortliche Kammer.

Hinweis: Beachten Sie die Fristen bei den jeweiligen Kammern, denn diese sind nicht überall gleich angesetzt. Bei manchen Kammern muss man sich bis spätestens sechs Wochen vor dem Prüfungstermin zur Prüfung anmelden. Kontaktieren Sie Ihre IHK, sollten diesbezüglich Fragen auftreten.

AdA-Schein: Praktische Prüfung und schriftliche Voraussetzung

Haben Sie sich auf die Prüfung vorbereitet und sich bei Ihrer Kammer zur Prüfung angemeldet, so absolvieren Sie zuerst die schriftliche AEVO-Prüfung. Sie dauert 180 Minuten und besteht aus 80 Multiple-Choice-Fragen. Von insgesamt 100 Punkten brauchen Sie 50 Punkte, um zu bestehen.

Multiple Choice Test

In seltenen Fällen am selben Tag, eher jedoch zwei Wochen später oder auch sechs bis acht Wochen nach dem schriftlichen Teil – je nach Kammer – treten Sie dann zum mündlichen bzw. praktischen Teil der Ausbildereignungsprüfung an.

Wichtig für Fachwirte: In der Regel können Sie sich als Fachwirt*in mit IHK-Abschluss vom schriftlichen Teil der AdA-Prüfung befreien lassen. Essenziell ist, dass so eine Befreiung in der Verordnung des jeweiligen Fachwirts festgeschrieben ist. Bei der Anmeldung zur Prüfung bei Ihrer Kammer lassen Sie sich befreien. Bei der AEVO Akademie bieten wir einen eigenen Online-Ausbilderkurs für Fachwirte.

Ausbilderschein: Praktische Prüfung in zwei Teilen

Der Praxisteil der AEVO-Prüfung gliedert sich in zwei Teile, die jeweils 15 Minuten in Anspruch nehmen: Die Präsentation/Durchführung einer Ausbildungssituation und das Fachgespräch. Die beiden Teile fließen in gleicher Gewichtung (50/50) in die Gesamtbeurteilung der praktischen AEVO-Prüfung ein.

Laut § 4 Abs. 3 der Ausbildereignungsverordnung (AEVO) dürfen Sie beim ersten Praxisteil zwischen zwei möglichen Prüfungsgegenständen wählen:

  • Die Präsentation einer Ausbildungssituation
  • Die Durchführung einer Ausbildungssituation (Unterweisung)

Im Folgenden gehen wir näher auf den jeweiligen Teil ein.

Ausbilderschein-Prüfung: Praktischer Teil 1

Im ersten Teil der praktischen AdA-Prüfung entscheiden Sie sich entweder für die Präsentation oder die Durchführung bzw. Unterweisung. Es kann nicht pauschal gesagt werden, für welche Art mündliche Prüfung Sie sich entscheiden sollen, aber in der Regel empfinden Prüflinge die Unterweisung als einfacher.

Option 1: Die Unterweisung bzw. Durchführung einer Ausbildungssituation

Bei der sogenannten Unterweisung geht es darum, dass Sie eine gewisse Ausbildungssituation durchführen. Das machen Sie auf eine sehr aktive Art und Weise, die Unterweisung ähnelt einem Rollenspiel.

Sie sind in der Rolle als Ausbilder*in damit betraut, eine*n Auszubildende*n zu unterweisen. Die Rolle des Azubi spielt entweder ein anderer Prüfling, eine*r der Prüfer*innen oder eine Person, die Sie sich ausgesucht haben (das erlauben aber nicht alle IHKs). Dabei schauen Ihnen die restlichen Prüfer*innen genau zu.

Bei der Unterweisung geht es auch um die Wahl Ihrer Ausbildungsmethode bzw. Unterweisungsmethode, die Sie dann anwenden. Es gibt unterschiedliche Lernmethoden und Ausbildungsmethoden für die AEVO, aber am relevantesten sind die 4-Stufen-Methode und das Lehrgespräch.

  • Beim Lehrgespräch geht es um Frage und Antwort zwischen Ausbilder*in und Azubis.
  • Bei der 4-Stufen-Methode geht es um das Vorbereiten, Vormachen und Erklären, Nachmachen und Erklären sowie Üben.
Frau und Mann bereiten sich gemeinsam auf die praktische AEVO Prüfung vor

Option 2: Die Präsentation einer Ausbildungssituation

Wenn Sie die Präsentation wählen, dann müssen Sie einen Vortrag zu einer berufstypischen Alltagssituation vorbereiten und dann etwa 15 Minuten darüber reden. Hier wird seitens der Prüfer*innen neben der fachlichen Qualität Ihrer Präsentation auch auf Ihre sprachliche Komponente und den Einsatz unterschiedlicher Medien geachtet.

Beide Varianten bergen den einen oder anderen Stolperstein. Die typischen Fehler bei Präsentation und Unterweisung finden Sie in unserem Blogbeitrag. Dort finden Sie auch hilfreiche Tipps.

Praktische Prüfung: AEVO Praxis Teil 2 – Das Fachgespräch

Hier stellt Ihnen ein*e Prüfer*in Fragen und Sie müssen im Zuge des Gesprächs die Auswahl und die Gestaltung der Ausbildungssituation erklären – das ist keine neue Situation, sondern die, die zuvor bei Präsentation oder Unterweisung behandelt wurde.

Auch handelt es sich hier nicht um ein reines Abfragen von Faktenwissen, sondern um ein Gespräch unter Fachleuten – zu denen sowohl Sie als auch die Prüfer*innen gehören. Mit dem Inhalt des Fachgesprächs möchten die Prüfer*innen Ihr Verständnis und Wissen zu relevanten Ausbildungsthemen bestätigen.

Diverse IHKs und auch wir von der AEVO Akademie empfehlen allen angehenden Ausbilder*innen, dass sie ein schriftliches Ausbildungskonzept anfertigen. So haben Sie Ihre Methode bzw. didaktische Herangehensweise für die AEVO-Prüfung zur Hand.

Das Konzept sollten Sie in dreifacher Ausführung ausdrucken und zur Prüfung mitbringen. Das Konzept ist weder Pflicht noch Voraussetzung, jedoch ohne Zweifel sehr empfehlenswert. Checken Sie die Website der IHKs – manche Kammern stellen Vorlagen zum Download bereit.

Im Zuge des praktischen Teils der Ausbildereignungsprüfung sind folgende Themen besonders beliebt:

  • Didaktische Prinzipien
  • Lernziele
  • Weibliche Auszubildende à Mutterschutzgesetz
  • Jugendliche Auszubildende à Jugendarbeitsschutzgesetz
  • Motivation von Auszubildenden
  • Unterweisungsmethoden
  • Zeitpunkt der Unterweisung (Biorhythmus)

AEVO Praktische Prüfung: Beispiele & Tipps

Im Zuge der praktischen AEVO-Prüfung geht es eben auch um eine berufstypische Ausbildungssituation bzw. Alltagssituation. Bei der Präsentation tragen Sie spezifische Aspekte der Situation vor.

Welche Situation Sie behandeln müssen, hängt primär mit Ihrem Fachgebiet zusammen.

Mann präsentiert vor mehreren Personen bei der praktischen AEVO Prüfung

Konkrete Beispiele für praktische AEVO-Prüfungsthemen

Wir geben Ihnen im Folgenden ein paar Beispiele für praktische AEVO-Prüfungsthemen. Entsprechend den vielen verschiedenen Berufsfeldern gibt es hier viele unterschiedliche Aufgaben.

  • Code schreiben – Informatiker*in
  • Kassenberichte erstellen – Verkäufer*in
  • Bauteilwechsel – Techniker*in (verschiedener Branchen)
  • Preisberechnungen – Kaufmann/Kauffrau
  • Schutzstecker installieren – Elektrofachkraft
  • Farbtöne mischen – Maler*in/Lackierer*in
  • Gemüse tournieren – Koch/Köchin
  • SEPA-Überweisung erklären – Bankkaufmann/Bankkauffrau
  • Unfallanzeige aufnehmen – Versicherungsmakler*in

Ausbildereignungsprüfung praktisch: Tipps und Hinweise

Wenn Sie ein ausführliches und durchdachtes Ausbildungskonzept zu Ihrer praktischen AdA-Prüfung mitbringen, so haben Sie schon einen beachtlichen Teil dazu beigetragen, dass Sie die 30 Minuten bzw. zwei Teile gut meistern. Es gibt noch ein paar weitere Tipps, die wir Ihnen dank unserer langjährigen Erfahrung als Ausbilder*in mitgeben können:

1. Das Thema

Ein angemessenes Thema, zu dem Sie die Unterweisung durchführen, sollte nicht zu komplex sein – das geht sich in den 15 Minuten auch nicht aus. Orientieren Sie sich an der Ausbildungsordnung Ihres Ausbildungsberufes. Am besten eignen sich Themen aus dem ersten Ausbildungsjahr.

2. Das Vortragen

Ihre Aussprache und Sprechgeschwindigkeit sollten Sie im Vorfeld der praktischen AEVO-Prüfung etwas trainieren. Versuchen Sie, langsam und ruhig zu sprechen.

Üben Sie Ihre Präsentation und stoppen Sie dabei unbedingt die Zeit. Die 15 Minuten sollten weder unterschritten noch überzogen werden – wenn Sie sie Verwandten/Freunden vortragen, können Sie das gut vermeiden. Hier sollten Sie bedenken, dass Sie vor vertrauten Personen in der Regel anders sprechen als vor einem Prüfungsgremium.

3. Die Medien

Die PowerPoint wird von vielen Auszubildenden gerne verwendet, um die Präsentation visuell zu untermauern. Allerdings sollte darauf geachtet werden, dass diese nicht zu überladen bzw. zu bunt gestaltet ist. Sparen Sie sich die Animationen und Effekte und setzen Sie auf das Wesentliche!

Viel zielführender sind Medienbrüche. Das heißt, dass Ihre Präsentation nicht rein aus PowerPoint-Folien bestehen sollte, sondern auch andere Medien wie Flipcharts u. s. w.

Gehen Sie NICHT davon aus, dass vor Ort alle Materialien vorhanden sind, die Sie für Ihre Prüfung brauchen. Rufen Sie im Vorfeld bei der Prüfungsstelle nach, ob alles bereitgestellt wird. Sonst bringen Sie Dinge wie Stifte usw. lieber selbst mit.

Frau schreibt auf Whiteboard

4. Die Technik

Auch defekte oder unzureichende Technik ist ein Ärgernis, das man kurz vor der Prüfung nicht brauchen kann. Dahingehend lohnt es sich, ebenfalls nachzufragen, welche Ausrüstung vor Ort vorhanden ist. Bringen Sie USB-Sticks lieber in doppelter Ausführung mit.

Fazit zur praktischen Prüfung lt. AEVO

Die praktische AEVO-Prüfung ist eine 30-minütige Feststellung Ihres Könnens in Ihrem Berufsfeld. Zusammen mit dem schriftlichen Teil ist sie die Pflicht, die Sie erfüllen müssen, um Ausbilder*in zu werden und zukünftig Azubis ausbilden zu dürfen. Im Zuge einer Unterweisung bzw. einer Präsentation und dem anschließenden Fachgespräch beweisen Sie vor einem Prüfungsausschuss Ihre Berufs- und Arbeitspädagogische Eignung.

FAQ: häufig gestellte Fragen

Im Folgenden beantworten wir einige Fragen, die uns in unserem Alltag als Ausbilder*in häufiger begegnen:

Welche Fragen im Fachgespräch lt. AEVO?

Die Fragen, die im Zuge des Fachgesprächs auftreten können, drehen sich unter anderem um:

  • die Definition von Lernzielen
  • die Wahl der Ausbildungsmethode
  • die Lernzielkontrolle
  • die Gliederung der Unterweisung
  • die Verbesserung der Lernergebnisse
  • die Motivation von Azubis
  • den angemessenen Einsatz von Medien
  • u. v. m.

Wie läuft die praktische Ausbildereignungsprüfung ab?

Der Praxisteil der AEVO-Prüfung gliedert sich in zwei Teile, die jeweils 15 Minuten in Anspruch nehmen: Die Präsentation/Durchführung einer Ausbildungssituation und das Fachgespräch. Die beiden Teile fließen in gleicher Gewichtung (50/50) in die Gesamtbeurteilung der praktischen AEVO-Prüfung ein. Bei der Durchführung/Unterweisung sind Sie in der Rolle als Ausbilder*in damit betraut, eine*n Auszubildende*n zu unterweisen.BeimFachgespräch stellt Ihnen ein*e Prüfer*in Fragen zur Ausbildungssituation.

Wie wird die AEVO praktische Prüfung bewertet?

Der praktische Teil der Ausbildereignungsprüfung ist ein Pflichtteil, der erfolgreich absolviert werden muss, wenn man Ausbilder*in werden möchte. Die praktische Prüfung besteht selbst aus zwei Teilen und dauert insgesamt 30 Minuten. Beide Teile fließen in gleicher Gewichtung (50/50) in die Gesamtbeurteilung ein. Um den zuvor absolvierten schriftlichen Teil zu bestehen, brauchen Sie 50 von 100 Punkten im Zuge von 80 Multiple-Choice-Fragen.


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